













 |

Hier finden Sie die Vereinsgeschichte von
1560 - 1803 der
Moisburger Schützengilde
Der bisher älteste Nachweis
einer Schützengilde in Moisburg ist aus dem Jahre 1568. Pastor thor
Mölen von 1568 bis 1573 in Moisburg, beklagt sich beim Amtmann über einige Gemeindemitglieder. So zum Beispiel über den Bauern Lorenz
Tambke (heute wird diese Hausstelle von Hans Heinrich Hink. Dorfstraße,
bewohnt). Dieser hätte ihn einen "ordinairen
Schelmen und verrähterlichen Pfaffen gescholten und gedrawt (gedroht), den
Laib voll Wunden zu hawen (schlagen). Auf Grund dieser Anklage des Pastors
ist es auf dem Gildenbier (Vogelschießen oder Schützenfest) zum erneuten
Streit gekommen. Der Bauer Christoffer Ehlers (heute
wird diese Hausstelle von der Familie Schroten, Dorfstraße, bewohnt) hat am
Biertisch die Frau des Pastors am Zeug gerissen,
beschimpft und schließlich geschlagen. Als daraufhin der Pastor seine Frau beschützen wollte, griff der
Amtsschreiber Johann Volkmann zum Messer und stach damit über den Tisch zum
Hals des Pastors.
Zugetragen hat sich dieser Streit in
der Amtsperiode Pastor thor Mölens in Moisburg. In diesen Jahren gehörte das Amt Moisburg zu dem kleinen Herzogtum
Harburg unter Herzog Otto II.Und weil gerade dieser Herzog ein Förderer der Harburger Schützengilde ist, kann
angenommen werden, daß genau wie in Harburg auch in Moisburg eine Schützengilde entstanden ist. Eine
Schützengilde ist in diesen Jahrhunderten nicht nur ein Verein der
alljährlich ein Vogelschießen veranstaltet, sondern
sie ist auch zum Schutz der Bevölkerung da, wenn zum Beispiel herumziehendes Gesindel die Umgebung durch Diebstähle
und Belästigungen unsicher machte. Eine Armee, wie sie heute jeder Staat besitzt, konnte sich der Herzog nicht
leisten. Und da lag es nahe und auch im Interesse des Adels, dass gestandene Männer aus den Städten und Dörfern an
den Feuerwaffen ausgebildet wurden. Der Höhepunkt vieler so entstandenen Schützengilden war freilich das
alljährlich stattfindende Vogelschießen. Selbstverständlich nahm an diesem
Fest auch die Obrigkeit, in unserem Fall der Moisburger
Amtmann, teil.
Es ist aber auch anzunehmen, daß der
Harburger Herzog Otto II., einige Male an, diesen Vogelschießen in Moisburg
teilgenommen hat. Weitere Zeugnisse der Moisburger
Schützengilde sind aus den Jahren 1610 vom Gericht auf dem Moisburger
Amt ist der Knecht, Peter Heins aus Heimbruch, zu einer Geldstrafe verurteilt
worden, weil er dem Schaffer (Festordner oder
auch Vorsitzenden) die Biertormen zum Hause hinausgeworfen hat.
1623 Die Elstorfer Kirche will ein
Gehege in den Clauswiesen bei Rübke an die dort ansässigen Bauern
verpachten. Dazu muss aber der Moisburger Amtmann
seine Zustimmung geben. Dieses soll auf dem Moisburger Vogelschießen geschehen. Wörtlich : Welches I.f.G.
(Ihrer fürstlichen Gnaden) in aller Untertänigkeit anzumeldender Amtmann aufs Moisburgische Vogelschießen
verschoben. Diese Notiz (1623) ist aus dem
30jährigen Krieg, welcher von 1618 bis 1648 in Mitteleuropa das Land in bitterste Armut brachte. Auch unsere
Heimat ist nicht von diesem grauenvollen Krieg verschont geblieben. Jegliches Vereinsleben wurde zerstört
als Moisburg 1625 von feindlichen Truppen besetzt worden ist. Ab diesem Zeitpunkt gibt es keine
Schützengilde mehr. Unterstrichen wird diese Tatsache noch
durch die 1628 in unserer Heimat ausgebrochenen Pest.
Abschließend kann deshalb behauptet
werden:
Eine Schützengilde mit einem
alljährlich stattfindenden Vogelschießen hat es in Moisburg gegeben. Die
Gilde ist aber nicht von den Bürgern unseres Ortes ins Leben
gerufen worden, sondern sie ist genau wie in Harburg von der Obrigkeit
(Herzog Otto II.) gegründet worden. Das die Moisburger
Schützengilde nach dem 30jährigen Krieg nicht zu neuem Leben erweckt wurde
ist allein der Tatsache zuzuschreiben, dass die Bevölkerung mit
bitterster Armut zu kämpfen hatte.
Vereinsgeschichte Moisburger
Schützengilde 1756 - 1803
In der wohl größten Blütezeit des
Moisburger Amtes, in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts.ist nach 131
Jahren 1756 die Moisburger Schützengilde ein
zweites Mal entstanden. Beteiligt daran waren in erster Linie die
Papiermachermeister mit ihren Gesellen aus den drei
Papiermühlen des Amtes. Weiterhin die vielen Handwerksmeister die sich in Moisburg niedergelassen hatten. Denn
in dieser Zeit blühte auch das Handwerk auf. Es waren hauptsächlich Schneider, Schuster, Tischler,
Schmiede, Stellmacher usw. die diesmal aus eigenem Antrieb eine Schützengilde gründeten. Sicherlich
war auch das Amt an der Gründung beteiligt, aber die Initiative ging diesmal vom Handwerksstand aus. Als Zeugnis der
Schützengilde gilt eine Plakette aus dem Jahre 1781, die an verdiente Schützen zum 25jährigen Jubiläum
vergeben worden ist.Diese Plakette ist dem Moisburger Drechsler Johann
Jochen Voss verliehen worden.
Chronik des Spielmannszuges des Schützenvereins Moisburg
von 1861 e.V.
Spielmannszug Moisburg:
Vorwort:
Auf den folgenden
Seiten soll einmal versucht werden, die Entstehung des Spielmannszuges
aufzuschreiben, um somit den nachfolgenden Generationen ein Zeugnis des
Werdegangs darzulegen. Viele dieser
Ereignisse liegen schon sehr lange zurück, weshalb es dem Verfasser leider
nicht möglich ist, alle, sich am Rande der vielen Auftritte ereigneten
Episoden niederzuschreiben. Auch sind allzu
persönliche Dinge einzelner Mitglieder in diesen Aufzeichnungen nicht
enthalten. Eines ist sicher, es ging manchmal hoch her und es sind schon
viele, viele Körner und Biere vernichtet worden. Es gibt deshalb auch
Momente, an die man sich gern erinnert, aber auch solche Momente, in denen
oftmals auch böse Worte gefallen sind. Wenn es in diesen
Aufzeichnungen nicht immer gelingt die Ereignisse objektiv und in die
richtigen Worte zu kleiden, dann bitten die Verfasser dies zu entschuldigen!
Moisburg, den 09.07.1979
Erich Tauber
Die Gründung des Spielmannszuges:
Der Gedanke zur
Gründung eines Spielmannszuges in Moisburg wurde 1964 bei der 425-Jahrfeier des
Buxtehuder Schützenvereins geboren. Nach dem Ummarsch
durch die Stadt nahm man in der Schützenhalle platz, um den großen Durst zu
löschen, der sich mittlerweile auf dem langen Ummarsch eingestellt hatte. Um den Schützen das
Korn- und Biertrinken ein wenig zu versüßen, spielte der Spielmannszug
Altkloster einige flotte Märsche auf dem Saal. Da ja bekanntlich
Alkohol die Zunge etwas lockert, kam man beim Anhören der Märsche ein wenig
ins fantasieren. Hierbei tat sich Erwin Fitschen aus Rahmstorf ganz
besonders hervor. Er sagte nämlich vor
den anwesenden Moisburger Schützen: “Ich gründe einen Spielmannszug und der
soll schon auf dem Moisburger Schützenfest 1965 spielen!“. Dies nahm Willi
Brunkhorst aus Moisburg zum Anlaß, einen Orden zu stiften, wenn Erwin es
schaffe einen Spielmannszug auf die Beine zu stellen. Damit war die Sache
abgemacht und besiegelt. So Recht konnte
niemand an einen Spielmannszug in Moisburg glauben, da sich in angeheitertem
Zustand bekanntlich vieles leicht sagen läßt. Doch schon wenige
Tage später wurde Erwin von Georg Winter an das Vorhaben „Spielmannszug“
erinnert. Jetzt erst wurde
überlegt, wie man überhaupt einen Spielmannszug gründet. Erwin setzte sich
daraufhin mit Heinrich Albers (sen.) in Verbindung und besprach mit ihm das
Vorhaben „Spielmannszug“. Es wurde vereinbart,
daß sich nach einer Werbeaktion alle Interessenten am 2. Sonnabend im Juli
1964 bei Christoph Johannsen im „Gasthaus zur Post“ versammeln sollten. Am genannten
Sonnabend waren die Organisatoren dann ganz überrascht, welches Echo doch
die Gründung eines Spielmannszuges gefunden hatte. Besonders
hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Erwin Fitschen und Heinrich Albers
(sen.). Letzterer erzählte
unter anderem von dem Spielmannszug, der vor dem Krieg schon einmal
gegründet wurde, aber durch die Kriegsereignisse wieder auseinandergefallen
war. Als nächstes stellte
sich das leidigste Thema, die Finanzierung! Um die
Erstausrüstung zu kaufen, der Schützenverein dem Vorhaben aber nicht sehr
wohlgesonnen gegenüberstand, sollte jeder einen Betrag in die gemeinsame
Kasse zahlen. So wurde die
Erstfinanzierung dann von folgenden Personen getragen:
Heinrich Albers
(sen.) 50,-DM Jochen
Scharpen 20,-DM
Eduard
Beneke 50,-DM Erich
Tauber 50,-DM
Erwin
Fitschen 50,-DM Harry
Teichmann 10,-DM
Horst
Cordes 50,-DM Günter
Wegener 160,-DM
Erwin
Cohrs 50,-DM Walter
Wentzin 100,-DM
Ludwig
Hausschild 50,-DM Uwe
Wieck 50,-DM
Willi
Hess 50,-DM Gerd
Wawrazenetz 50,-DM
Ernst-August
Hennings 50,-DM Christoph Johannsen
100,-DM
Wilhelm
Johannsen 50,-DM Ernst
Klahn 60,-DM
Manfred
Poeck 50,-DM Klaus
Meier 145,-DM
Peter
Prigge 10,-DM
Mit diesem Betrag
von 1255,-DM soll Erwin Fitschen Instrumente kaufen.
Es wurden
Querflöten, Trommeln und eine Pauke, sowie etwas später, als noch Geld durch
Spenden zusammenkam, eine Lyra und ein Paar Becken gekauft. Mit dieser
Versammlung am 2. Sonnabend im Juli 1964 wurde der Grundstein des
Spielmannszuges gelegt und die Gründung perfekt gemacht.
Der Spielmannszug wurde von
folgenden Personen gegründet:
Erwin
Fitschen Wilhelm Johannsen
Heinrich Albers
(sen.) Jürgen Lemmermann
Heinrich Albers
(jun.) Manfred Poeck
Karlo
Bloch Peter Prigge
Eduard
Beneke Jochen Scharpen
Klaus
Busch Erich Tauber
Martin
Busch Harry Teichmann
Horst
Cordes Günter Wegener
Erwin
Cohrs Walter Wentzin
Ludwig Hausschild
Uwe Wieck
Willi
Hess Gerd Wawrazenetz
Ernst-August
Hennings
Der erste Übungsabend:
Nachdem im Herbst
1964 die Instrumente gekauft wurden, bekam jedes Mitglied Bescheid, am Sonnabend (das
Datum läßt sich leider nicht mehr ermitteln) im „Gasthaus zur Post“ zu
erscheinen um die Instrumente zu verteilen. Hierbei gab es auch
die ersten bösen Worte, denn nicht jeder bekam das Instrument, das er sich
gewünscht hatte. Doch nach einigen tröstenden Worten wurde der Streit
beigelegt. In der ersten Zeit
wurde auf dem Saal bei Christoph Johannsen geübt. Da aber niemand
wußte, wie man das Problem des Übens so recht anfassen sollte, war es zuerst
ein wildes Gepfeife und Gekloppe. Jeder der Akteure
befand sich in einer überschwänglichen Freude, als sei er jetzt Musiker bei
Karajan. Da aber die Form des
Übens nach einem Plan verlaufen sollte, wurde vereinbart, daß Erwin Fitschen
die Flöter und Walter Wentzin die Trommler übernehmen sollte. Aber schon bei
den ersten Übungsabenden erwies sich dies als unmöglich. Als Notlösung wurde
der Moisburger Schulleiter Horst Zitzke gefragt, ob er dem neugegründeten
Spielmannszug aus der Misere helfen könne. Er stimmte zu und
das erste Lied das gelehrt wurde war: „Der Mond ist aufgegangen“. Aber auch Horst
Zitzke war leider nicht in der Lage, mit uns einen Marsch einzuüben und
somit scheiterte auch dieser Versuch. In der Folgezeit
wurde noch ein wenig herumexperimentiert, aber auch dies hat alles nichts
gebracht. Als rettender Engel
bot sich dann Georg Golombeck aus Buxtehude als Trainer an. Mit ihm ging es dann
auch mit dem Spielmannszug aufwärts und der erste Marsch: „Das Lieben bringt
Groß Freud“ wurde einstudiert. In diesen
Anfangsmonaten kamen neue Mitglieder hinzu, aber einige sind auch
ausgetreten, da das Spielen mit einem Instrument doch mit vielen
Schwierigkeiten verbunden ist. Georg Golombeck hat
dann für die Flöter die Noten in ein Zahlensystem umgeschrieben, nach dem
noch Heute gespielt wird. Für die Trommler
wurde Felix Winkler aus Sauensiek verpflichtet. Doch hier gab es noch kein
Notensystem, und so wurde geübt, indem Felix vortrommelte und die Trommler
die gezeigten Trommelschläge nachmachen mußten. Als Ergebnis der
Bemühungen konnte man sagen: „Nach anfänglichen Laufschwierigkeiten ist der
Start geglückt“.
Der erste Auftritt:
Georg Golombeck, und
das soll hier einmal besonders hervorgehoben werden, hat dem Spielmannszug
wie man so schön sagt die Flötentöne beigebracht. Innerhalb eines
Vierteljahres wurde der Standartmarsch eines jeden Spielmannszuges eingeübt
(Das Lieben bringt Groß Freud). Dieser wurde dann
erstmals auf der Frühjahrs- Generalversammlung des Schützenvereins
vorgespielt. Als der Marsch mit zitternden Knien beendet war, klatschten die
Schützen begeistert Beifall. Jeder der Spielleute
hatte sein Instrument nach dem Motto: „Nicht schön, aber laut!“ so doll
bearbeitet und traktiert wie er konnte. Da die Schützen
begeistert eine Zugabe forderten, wir aber nur diesen einen Marsch
beherrschten, wurde dieser des Öfteren wiederholt. Nach diesem Auftritt
gab es eine zünftige Siegesfeier in der Gaststube bei Christoph.
Eigenartiger Weise brauchte dies nicht einstudiert werden sondern gelang auf
Anhieb. Nach diesem Auftritt
wurde das Ziel gesteckt, bis zum Schützenfest 1965 drei Märsche zu
beherrschen. Mit den Märschen:
„Das Lieben bringt Groß Freud“, „Preußens Gloria“ und „Jorkscher Marsch“,
wurde das Ziel erreicht.
Die Uniform:
Nun stand das
nächste große Problem an; die Uniform! Denn zum
Schützenfest 1965 mußte unbedingt eine einheitliche Bekleidung angeschafft
werden. Es sollte eine
einfache, billige aber gutaussehende Uniform sein. Da allen eine
Schützenjoppe zu teuer war, einigte man sich nach einigen Diskussionen auf
eine kurze, weiße Kellnerjacke. Sie bekam 6 grüne
Knöpfe, 1 Paar Schwalbennester, 1 Paar Schulterstücke und das Abzeichen des
Schützenvereins Moisburg. Da diese Jacken sehr
schmutzanfällig waren, legte sich jeder Spielmann mit der Zeit mehrere
Jacken zu, denn alle zusätzlichen Gegenstände waren abnehmbar. Als Beinkleid
dienten eine schwarze Hose, schwarze Strümpfe und Schuhe. Als Oberbekleidung
wurde ein weißes Oberhemd mit grünem Schützenschlips und als Kopfbedeckung
ein grünes Käppi gewählt. Zieht man einmal
Bilanz über die Jacke, so kann man sagen: „Sie hat so manchen Sturm erlebt,
ob sie nun von außen oder innen „naß“ geworden ist“.
1965:
Das erste Jahr des
Spielmannszuges ist von allen Spielleuten mit großer Begeisterung
aufgenommen worden und in der ersten Zeit wurden auch noch neue Mitglieder
aufgenommen. Schützenfest 1965
war dann auch der erste große Auftritt des Spielmannszuges. Gespielt wurden
besagte 3 Märsche und die „Locke“. Mit der Musikkapelle Gerken standen wir
zuerst auf dem Kriegsfuß, denn jedes Mal wenn wir spielten, mußten die
Schützen einen mittleren Galopp auf die Straße legen. Da oftmals nicht
alle Spielleute genau hinhörten, was Erwin Fitschen ansagte, gab es auch
Probleme mit dem Ansagen der Märsche. So kam z.B. von Paul Schlachter
(Eversen) der Ruf: „Erwin wat jibbt et denn?“ worauf die Antwort lautete:
„Na Paul weißt doch: Locke, Lieben!“. Auf diesem ersten
Schützenfest kam auch der erste Krach innerhalb des Spielmannszuges auf, bei
dem es um den Preis für die Schwalbennester ging. Stattgefunden hat dieser
Krach noch im Schützenzelt am Sonntagnachmittag. Die Kapelle Gerken
und wir spielten „Sonntagnachmittags-Kaffeetrinker-Musik“ als wir während
eines Marsches zusammengebrochen sind, woraufhin die Kapelle „Du bist
verrückt mein Kind“ spielte!
Der nächste große
Auftritt war bei einem Schießwettbewerb in Ovelgönne, wobei der damals
errungene Platz nicht mehr bekannt ist. Abends blieben einige Spielleute
noch zur Preisverteilung mit anschließendem Tanz. Zu fortgeschrittener
Stunde prügelten sich zwei junge Leute vor dem Lokal und „Hugo“ (Gerd
Wawrazenetz) wollte angeheitert und voller Tatendrang einem der beiden zu
Hilfe kommen. Doch ehe er
überhaupt eingreifen konnte wurde er von einem klassischen Schwinger ans
Kinn für die nächste Zeit außer Gefecht gesetzt.
Das größte aller
Ereignisse im ersten Jahr war jedoch das Spielmannszugtreffen in Buxtehude,
bei dem wir - man höre und staune - den vorletzten Platz belegten. Während dieser
Veranstaltung ist die Tochter von Helmut Inauen verloren gegangen. Heidi wußte in der
Aufregung nicht mal mehr ihren Namen, woraufhin folgende
Lautsprecherdurchsage zustande kam: „Hier ist ein kleines Mädchen, daß seine
Eltern sucht. Sie weiß ihren Namen nicht, sondern nur: sie wohnt bei Lohmann
um die Ecke!“. Der Gewinn dieses
Pokals für den vorletzten Platz war so ein gewaltiges Ereignis, daß die
Siegesfeier am Dienstagabend im „Gasthaus zu Post“ stattfand. Man kann Heute mit
Recht sagen: „ Kein Pokal ist häufiger mit Wein gefüllt worden“, denn immer
der Vorletzte mußte einen neuen Schoppen bezahlen. Ich (Erich Tauber) war
damals noch Lehrling und hatte kein Geld, also blieb mir nichts anderes
übrig als den Pokal auszutrinken. Dies hatte dann auch gewaltige Folgen. Zur
Abschwächung sei aber gesagt, daß ich zu der Zeit nicht der einzige Lehrling
im Spielmannszug war und die Alten es auch ganz gut konnten!
Zum besagten
Spielmannszugtreffen in Buxtehude bleibt zu sagen, daß die
Wettkampfbestimmungen folgende waren: Jeder Zug mußte vom Startpunkt einen
Rundkurs bis zum Richtertisch marschieren. Gespielt wurde während des
Marschs: „Das Lieben bringt Groß Freud, Locke und Preußens Gloria“. Dies hat
auch sehr gut geklappt. Im Stand vor den Wertungsrichtern sollte der
„Torgauer Marsch“ gespielt werden. Der Marsch sollte
vom Tambourmajor „angerissen“ und auf ein Zeichen von einem der
Wertungsrichter mit einer Lampe dann wieder „abgerissen“ werden. Unser damaliger
Tambourmajor Erwin Fitschen riß den Marsch ordnungsgemäß an und wir gaben
unser Bestes. Zum Ende des
Marsches gab einer der Wertungsrichter mit der Lampe das Zeichen zum
„Abreißen“ des Marsches. Alle außer Erwin sahen das Zeichen; er „riß“ also
nicht ab oder wie wir sagten „he tokt am Knüppel“! Der Richter stand auf und
winkte mit der Lampe wie ein Eisenbahner mit seiner Sturmlaterne hin und
her, doch Erwin sah die Lampe immer noch nicht. Zu Guter Letzt sah
er sie dann doch noch und „riß“ ab. Danach lagen wir uns dann sehr in Haaren
und haben heftig gestritten. Aber bekanntlich heilt die Zeit alle Wunden,
so, daß wir Heute schon manchmal über die Geschichte gelacht haben, wenn wir
uns nach den Übungsabenden in der Kneipe am Biertisch über die „Guten Alten
Zeiten“ unterhalten haben.
Moisburg, den 26.03.1980
Erich Tauber
1966
Alle Begebenheiten der zurückliegenden
Jahre kann man im Nachhinein nicht mehr aufschreiben, dies soll aber auch
gar nicht versucht werden. Auf ein großes und gleichzeitig trauriges
Ereignis muß dennoch hingewiesen werden; der Unfall des Spielmannszuges
1966! Bei diesem Unfall wurden einige
Spielleute leicht und einige schwer verletzt, als ein Auto in den
marschierenden Zug fuhr.
1967
Für den Spielmannszug stellte sich Anfang
1967 ein großes Problem. Wie sollten wir wieder einen spielfähigen
Spielmannszug bekommen? Denn nach dem Unfall sind einige
Mitglieder ausgetreten und die Verletzten noch nicht wieder einsatzfähig! So wurde beschlossen, Mädchen mit in den
Spielmannszug aufzunehmen. 15 Mädchen wurden als Flötenspielerinnen
ausgebildet, im Laufe der nächsten Jahre zeigte sich dann aber, daß das
Gesamtbild bei öffentlichen Auftritten sehr zu wünschen übrig ließ. Bei Ausmärschen wurde innerhalb der
Reihen sehr viel herumgealbert, woran nicht nur die Mädchen beteiligt waren,
sondern die Jungen ebenso, die den Mädchen in keinster Weise nachstanden.
Für spätere Zeiten wurde somit beschlossen, das keine weiteren Mädchen in
den Spielmannszug aufgenommen werden sollten. An Spielmannszug-Wettbewerben nahmen in
diesem Jahr 2 Schießmannschaften an den Pokal-Wettkämpfen in Heidenau und
Trelde teil. Buxtehude veranstaltete in diesem Jahr
sein 2. internationales Spielmannszug-Treffen, bei dem wir den 12. Platz von
13 Zügen in der Klasse: „Spielmannszüge ohne Wettkampferfahrung“ belegten.
Als historisches Datum soll hier der
Dienstag nach Schützenfest festgehalten werden! Denn in diesem Jahr bekam der
Schützenkönig erstmals ein Ständchen, woran ausschließlich der Spielmannszug
und der Schützenkönig beteiligt waren!
Moisburg, den14.05.1981
Erich Tauber
|