Schützenverein Moisburg von 1861 eV














Hier finden Sie die Vereinsgeschichte von

 

1560 - 1803 der Moisburger Schützengilde

Der bisher älteste Nachweis einer Schützengilde in Moisburg ist aus dem Jahre 1568.
Pastor thor Mölen von 1568 bis 1573 in Moisburg, beklagt sich beim Amtmann über einige
Gemeindemitglieder. So zum Beispiel über den Bauern Lorenz Tambke (heute wird diese Hausstelle von
Hans Heinrich Hink. Dorfstraße, bewohnt). Dieser hätte ihn einen "ordinairen Schelmen und verrähterlichen
Pfaffen gescholten und gedrawt (gedroht), den Laib voll Wunden zu hawen (schlagen). Auf Grund dieser
Anklage des Pastors ist es auf dem Gildenbier (Vogelschießen oder Schützenfest) zum erneuten Streit
gekommen. Der Bauer Christoffer Ehlers (heute wird diese Hausstelle von der Familie Schroten, Dorfstraße,
bewohnt) hat am Biertisch die Frau des Pastors am Zeug gerissen, beschimpft und schließlich geschlagen. Als
daraufhin der Pastor seine Frau beschützen wollte, griff der Amtsschreiber Johann Volkmann zum Messer
und stach damit über den Tisch zum Hals des Pastors.

Zugetragen hat sich dieser Streit in der Amtsperiode Pastor thor Mölens in Moisburg. In diesen Jahren gehörte
das Amt Moisburg zu dem kleinen Herzogtum Harburg unter Herzog Otto II.Und weil gerade dieser Herzog
ein Förderer der Harburger Schützengilde ist, kann angenommen werden, daß genau wie in Harburg auch in
Moisburg eine Schützengilde entstanden ist. Eine Schützengilde ist in diesen Jahrhunderten nicht nur ein
Verein der alljährlich ein Vogelschießen veranstaltet, sondern sie ist auch zum Schutz der Bevölkerung da,
wenn zum Beispiel herumziehendes Gesindel die Umgebung durch Diebstähle und Belästigungen unsicher
machte. Eine Armee, wie sie heute jeder Staat besitzt, konnte sich der Herzog nicht leisten. Und da lag es nahe
und auch im Interesse des Adels, dass gestandene Männer aus den Städten und Dörfern an den Feuerwaffen
ausgebildet wurden. Der Höhepunkt vieler so entstandenen Schützengilden war freilich das alljährlich
stattfindende Vogelschießen. Selbstverständlich nahm an diesem Fest auch die Obrigkeit, in unserem Fall der
Moisburger Amtmann, teil.

Es ist aber auch anzunehmen, daß der Harburger Herzog Otto II., einige Male an, diesen Vogelschießen in
Moisburg teilgenommen hat. Weitere Zeugnisse der Moisburger Schützengilde sind aus den Jahren 1610 vom
Gericht auf dem Moisburger Amt ist der Knecht, Peter Heins aus Heimbruch, zu einer Geldstrafe verurteilt
worden, weil er dem Schaffer (Festordner oder auch Vorsitzenden) die Biertormen zum Hause
hinausgeworfen hat.

1623 Die Elstorfer Kirche will ein Gehege in den Clauswiesen bei Rübke an die dort ansässigen Bauern
verpachten. Dazu muss aber der Moisburger Amtmann seine Zustimmung geben. Dieses soll auf dem
Moisburger Vogelschießen geschehen. Wörtlich : Welches I.f.G. (Ihrer fürstlichen Gnaden) in aller
Untertänigkeit anzumeldender Amtmann aufs Moisburgische Vogelschießen verschoben. Diese Notiz (1623)
ist aus dem 30jährigen Krieg, welcher von 1618 bis 1648 in Mitteleuropa das Land in bitterste Armut brachte.
Auch unsere Heimat ist nicht von diesem grauenvollen Krieg verschont geblieben. Jegliches Vereinsleben
wurde zerstört als Moisburg 1625 von feindlichen Truppen besetzt worden ist. Ab diesem Zeitpunkt gibt es
keine Schützengilde mehr. Unterstrichen wird diese Tatsache noch durch die 1628 in unserer Heimat
ausgebrochenen Pest.

Abschließend kann deshalb behauptet werden:

Eine Schützengilde mit einem alljährlich stattfindenden Vogelschießen hat es in Moisburg gegeben. Die Gilde
ist aber nicht von den Bürgern unseres Ortes ins Leben gerufen worden, sondern sie ist genau wie in Harburg
von der Obrigkeit (Herzog Otto II.) gegründet worden. Das die Moisburger Schützengilde nach dem
30jährigen Krieg nicht zu neuem Leben erweckt wurde ist allein der Tatsache zuzuschreiben, dass die
Bevölkerung mit bitterster Armut zu kämpfen hatte.

Vereinsgeschichte Moisburger Schützengilde 1756 - 1803

In der wohl größten Blütezeit des Moisburger Amtes, in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts.ist nach 131
Jahren 1756 die Moisburger Schützengilde ein zweites Mal entstanden. Beteiligt daran waren in erster Linie die
Papiermachermeister mit ihren Gesellen aus den drei Papiermühlen des Amtes. Weiterhin die vielen
Handwerksmeister die sich in Moisburg niedergelassen hatten. Denn in dieser Zeit blühte auch das Handwerk
auf. Es waren hauptsächlich Schneider, Schuster, Tischler, Schmiede, Stellmacher usw. die diesmal aus
eigenem Antrieb eine Schützengilde gründeten. Sicherlich war auch das Amt an der Gründung beteiligt, aber
die Initiative ging diesmal vom Handwerksstand aus. Als Zeugnis der Schützengilde gilt eine Plakette aus
dem Jahre 1781, die an verdiente Schützen zum 25jährigen Jubiläum vergeben worden ist.Diese Plakette ist
dem Moisburger Drechsler Johann Jochen Voss verliehen worden.

 

 

Chronik des Spielmannszuges des Schützenvereins
 Moisburg von 1861 e.V. 

Spielmannszug Moisburg:

 Vorwort:

Auf den folgenden Seiten soll einmal versucht werden, die Entstehung des Spielmannszuges aufzuschreiben, um somit den nachfolgenden Generationen ein Zeugnis des Werdegangs darzulegen. Viele dieser Ereignisse liegen schon sehr lange zurück, weshalb es dem Verfasser leider nicht möglich ist, alle, sich am Rande der vielen Auftritte ereigneten Episoden niederzuschreiben. Auch sind allzu persönliche Dinge einzelner Mitglieder in diesen Aufzeichnungen nicht enthalten. Eines ist sicher, es ging manchmal hoch her und es sind schon viele, viele Körner und Biere vernichtet worden. Es gibt deshalb auch Momente, an die man sich gern erinnert, aber auch solche Momente, in denen oftmals auch böse Worte gefallen sind. Wenn es in diesen Aufzeichnungen nicht immer gelingt die Ereignisse objektiv und in die richtigen Worte zu kleiden, dann bitten die Verfasser dies zu entschuldigen! 

                                                                                  Moisburg, den 09.07.1979

                                                                                  Erich Tauber

 

 Die Gründung des Spielmannszuges:

 

Der Gedanke zur Gründung eines Spielmannszuges in Moisburg wurde 1964 bei der 425-Jahrfeier des Buxtehuder Schützenvereins geboren. Nach dem Ummarsch durch die Stadt nahm man in der Schützenhalle platz, um den großen Durst zu löschen, der sich mittlerweile auf dem langen Ummarsch eingestellt hatte. Um den Schützen das Korn- und Biertrinken ein wenig zu versüßen, spielte der Spielmannszug Altkloster einige flotte Märsche auf dem Saal. Da ja bekanntlich Alkohol die Zunge etwas lockert, kam man beim Anhören der Märsche ein wenig ins fantasieren. Hierbei tat sich Erwin Fitschen aus Rahmstorf ganz besonders hervor. Er sagte nämlich vor den anwesenden Moisburger Schützen: “Ich gründe einen Spielmannszug und der soll schon auf dem Moisburger Schützenfest 1965 spielen!“. Dies nahm Willi Brunkhorst aus Moisburg zum Anlaß, einen Orden zu stiften, wenn Erwin es schaffe einen Spielmannszug auf die Beine zu stellen. Damit war die Sache abgemacht und besiegelt. So Recht konnte niemand an einen Spielmannszug in Moisburg glauben, da sich in angeheitertem Zustand bekanntlich vieles leicht sagen läßt. Doch schon wenige Tage später wurde Erwin von Georg Winter an das Vorhaben „Spielmannszug“ erinnert. Jetzt erst wurde überlegt, wie man überhaupt einen Spielmannszug gründet. Erwin setzte sich daraufhin mit Heinrich Albers (sen.) in Verbindung und besprach mit ihm das Vorhaben „Spielmannszug“. Es wurde vereinbart, daß sich nach einer Werbeaktion alle Interessenten am 2. Sonnabend im Juli 1964 bei Christoph Johannsen im „Gasthaus zur Post“ versammeln sollten. Am genannten Sonnabend waren die Organisatoren dann ganz überrascht, welches Echo doch die Gründung eines Spielmannszuges gefunden hatte. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Erwin Fitschen und Heinrich Albers (sen.). Letzterer erzählte unter anderem von dem Spielmannszug, der vor dem Krieg schon einmal gegründet wurde, aber durch die Kriegsereignisse wieder auseinandergefallen war. Als nächstes stellte sich das leidigste Thema, die Finanzierung! Um die Erstausrüstung zu kaufen, der Schützenverein dem Vorhaben aber nicht sehr wohlgesonnen gegenüberstand, sollte jeder einen Betrag in die gemeinsame Kasse zahlen. So wurde die Erstfinanzierung dann von folgenden Personen getragen:

 

Heinrich Albers (sen.)            50,-DM                       Jochen Scharpen                    20,-DM

Eduard Beneke                      50,-DM                       Erich Tauber                           50,-DM

Erwin Fitschen                       50,-DM                       Harry Teichmann                   10,-DM          

Horst Cordes                          50,-DM                       Günter Wegener                   160,-DM

Erwin Cohrs                           50,-DM                       Walter Wentzin                    100,-DM

Ludwig Hausschild                50,-DM                       Uwe Wieck                            50,-DM

Willi Hess                               50,-DM                       Gerd Wawrazenetz                50,-DM

Ernst-August Hennings         50,-DM                       Christoph Johannsen            100,-DM

Wilhelm Johannsen                50,-DM                       Ernst Klahn                            60,-DM

Manfred Poeck                      50,-DM                       Klaus Meier                          145,-DM

Peter Prigge                            10,-DM

 

Mit diesem Betrag von 1255,-DM soll Erwin Fitschen Instrumente kaufen.

Es wurden Querflöten, Trommeln und eine Pauke, sowie etwas später, als noch Geld durch Spenden zusammenkam, eine Lyra und ein Paar Becken gekauft. Mit dieser Versammlung am 2. Sonnabend im Juli 1964 wurde der Grundstein des Spielmannszuges gelegt und die Gründung perfekt gemacht.

  

Der Spielmannszug wurde von folgenden Personen gegründet:

 

Erwin Fitschen                                              Wilhelm Johannsen

Heinrich Albers (sen.)                                   Jürgen Lemmermann

Heinrich Albers (jun.)                                   Manfred Poeck

Karlo Bloch                                                   Peter Prigge

Eduard Beneke                                              Jochen Scharpen

Klaus Busch                                                  Erich Tauber

Martin Busch                                                 Harry Teichmann

Horst Cordes                                                 Günter Wegener

Erwin Cohrs                                                  Walter Wentzin

Ludwig Hausschild                                       Uwe Wieck

Willi Hess                                                      Gerd Wawrazenetz

Ernst-August Hennings

 

 Der erste Übungsabend:

 

Nachdem im Herbst 1964 die Instrumente gekauft wurden, bekam jedes Mitglied Bescheid, am Sonnabend (das Datum läßt sich leider nicht mehr ermitteln) im „Gasthaus zur Post“ zu erscheinen um die Instrumente zu verteilen. Hierbei gab es auch die ersten bösen Worte, denn nicht jeder bekam das Instrument, das er sich gewünscht hatte. Doch nach einigen tröstenden Worten wurde der Streit beigelegt. In der ersten Zeit wurde auf dem Saal bei Christoph Johannsen geübt. Da aber niemand wußte, wie man das Problem des Übens so recht anfassen sollte, war es zuerst ein wildes Gepfeife und Gekloppe. Jeder der Akteure befand sich in einer überschwänglichen Freude, als sei er jetzt Musiker bei Karajan. Da aber die Form des Übens nach einem Plan verlaufen sollte, wurde vereinbart, daß Erwin Fitschen die Flöter und Walter Wentzin die Trommler übernehmen sollte. Aber schon bei den ersten Übungsabenden erwies sich dies als unmöglich. Als Notlösung wurde der Moisburger Schulleiter Horst Zitzke gefragt, ob er dem neugegründeten Spielmannszug aus der Misere helfen könne. Er stimmte zu und das erste Lied das gelehrt wurde war: „Der Mond ist aufgegangen“. Aber auch Horst Zitzke war leider nicht in der Lage, mit uns einen Marsch einzuüben und somit scheiterte auch dieser Versuch. In der Folgezeit wurde noch ein wenig herumexperimentiert, aber auch dies hat alles nichts gebracht. Als rettender Engel bot sich dann Georg Golombeck aus Buxtehude als Trainer an. Mit ihm ging es dann auch mit dem Spielmannszug aufwärts und der erste Marsch: „Das Lieben bringt Groß Freud“ wurde einstudiert. In diesen Anfangsmonaten kamen neue Mitglieder hinzu, aber einige sind auch ausgetreten, da das Spielen mit einem Instrument doch mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist. Georg Golombeck hat dann für die Flöter die Noten in ein Zahlensystem umgeschrieben, nach dem noch Heute gespielt wird. Für die Trommler wurde Felix Winkler aus Sauensiek verpflichtet. Doch hier gab es noch kein Notensystem, und so wurde geübt, indem Felix vortrommelte und die Trommler die gezeigten Trommelschläge nachmachen mußten. Als Ergebnis der Bemühungen konnte man sagen: „Nach anfänglichen Laufschwierigkeiten ist der Start geglückt“.

  

Der erste Auftritt:

 

Georg Golombeck, und das soll hier einmal besonders hervorgehoben werden, hat dem Spielmannszug wie man so schön sagt die Flötentöne beigebracht. Innerhalb eines Vierteljahres wurde der Standartmarsch eines jeden Spielmannszuges eingeübt (Das Lieben bringt Groß Freud). Dieser wurde dann erstmals auf der Frühjahrs- Generalversammlung des Schützenvereins vorgespielt. Als der Marsch mit zitternden Knien beendet war, klatschten die Schützen begeistert Beifall. Jeder der Spielleute hatte sein Instrument nach dem Motto: „Nicht schön, aber laut!“ so doll bearbeitet und traktiert wie er konnte. Da die Schützen begeistert eine Zugabe forderten, wir aber nur diesen einen Marsch beherrschten, wurde dieser des Öfteren wiederholt. Nach diesem Auftritt gab es eine zünftige Siegesfeier in der Gaststube bei Christoph. Eigenartiger Weise brauchte dies nicht einstudiert werden sondern gelang auf Anhieb. Nach diesem Auftritt wurde das Ziel gesteckt, bis zum Schützenfest 1965 drei Märsche zu beherrschen. Mit den Märschen: „Das Lieben bringt Groß Freud“, „Preußens Gloria“ und „Jorkscher Marsch“, wurde das Ziel erreicht.

  

Die Uniform:

 

Nun stand das nächste große Problem an; die Uniform! Denn zum Schützenfest 1965 mußte unbedingt eine einheitliche Bekleidung angeschafft werden. Es sollte eine einfache, billige aber gutaussehende Uniform sein. Da allen eine Schützenjoppe zu teuer war, einigte man sich nach einigen Diskussionen auf eine kurze, weiße Kellnerjacke. Sie bekam 6 grüne Knöpfe, 1 Paar Schwalbennester, 1 Paar Schulterstücke und das Abzeichen des Schützenvereins Moisburg. Da diese Jacken sehr schmutzanfällig waren, legte sich jeder Spielmann mit der Zeit mehrere Jacken zu, denn alle zusätzlichen Gegenstände waren abnehmbar. Als Beinkleid dienten eine schwarze Hose, schwarze Strümpfe und Schuhe. Als Oberbekleidung wurde ein weißes Oberhemd mit grünem Schützenschlips und als Kopfbedeckung ein grünes Käppi gewählt. Zieht man einmal Bilanz über die Jacke, so kann man sagen: „Sie hat so manchen Sturm erlebt, ob sie nun von außen oder innen „naß“ geworden ist“.

 

 1965:

 

Das erste Jahr des Spielmannszuges ist von allen Spielleuten mit großer Begeisterung aufgenommen worden und in der ersten Zeit wurden auch noch neue Mitglieder aufgenommen. Schützenfest 1965 war dann auch der erste große Auftritt des Spielmannszuges. Gespielt wurden besagte 3 Märsche und die „Locke“. Mit der Musikkapelle Gerken standen wir zuerst auf dem Kriegsfuß, denn jedes Mal wenn wir spielten, mußten die Schützen einen mittleren Galopp auf die Straße legen. Da oftmals nicht alle Spielleute genau hinhörten, was Erwin Fitschen ansagte, gab es auch Probleme mit dem Ansagen der Märsche. So kam z.B. von Paul Schlachter (Eversen) der Ruf: „Erwin wat jibbt et denn?“ worauf die Antwort lautete: „Na Paul weißt doch: Locke, Lieben!“. Auf diesem ersten Schützenfest kam auch der erste Krach innerhalb des Spielmannszuges auf, bei dem es um den Preis für die Schwalbennester ging. Stattgefunden hat dieser Krach noch im Schützenzelt am Sonntagnachmittag. Die Kapelle Gerken und wir spielten „Sonntagnachmittags-Kaffeetrinker-Musik“ als wir während eines Marsches zusammengebrochen sind, woraufhin die Kapelle „Du bist verrückt mein Kind“ spielte!

Der nächste große Auftritt war bei einem Schießwettbewerb in Ovelgönne, wobei der damals errungene Platz nicht mehr bekannt ist. Abends blieben einige Spielleute noch zur Preisverteilung mit anschließendem Tanz. Zu fortgeschrittener Stunde prügelten sich zwei junge Leute vor dem Lokal und „Hugo“ (Gerd Wawrazenetz) wollte angeheitert und voller Tatendrang einem der beiden zu Hilfe kommen. Doch ehe er überhaupt eingreifen konnte wurde er von einem klassischen Schwinger ans Kinn für die nächste Zeit außer Gefecht gesetzt.

Das größte aller Ereignisse im ersten Jahr war jedoch das Spielmannszugtreffen in Buxtehude, bei dem wir - man höre und staune - den vorletzten Platz belegten. Während dieser Veranstaltung ist die Tochter von Helmut Inauen verloren gegangen. Heidi wußte in der Aufregung nicht mal mehr ihren Namen, woraufhin folgende Lautsprecherdurchsage zustande kam: „Hier ist ein kleines Mädchen, daß seine Eltern sucht. Sie weiß ihren Namen nicht, sondern nur: sie wohnt bei Lohmann um die Ecke!“. Der Gewinn dieses Pokals für den vorletzten Platz war so ein gewaltiges Ereignis, daß die Siegesfeier am Dienstagabend im „Gasthaus zu Post“ stattfand. Man kann Heute mit Recht sagen: „ Kein Pokal ist häufiger mit Wein gefüllt worden“, denn immer der Vorletzte mußte einen neuen Schoppen bezahlen. Ich (Erich Tauber) war damals noch Lehrling und hatte kein Geld, also blieb mir nichts anderes übrig als den Pokal auszutrinken. Dies hatte dann auch gewaltige Folgen. Zur Abschwächung sei aber gesagt, daß ich zu der Zeit nicht der einzige Lehrling im Spielmannszug war und die Alten es auch ganz gut konnten! 

Zum besagten Spielmannszugtreffen in Buxtehude bleibt zu sagen, daß die Wettkampfbestimmungen folgende waren: Jeder Zug mußte vom Startpunkt einen Rundkurs bis zum Richtertisch marschieren. Gespielt wurde während des Marschs: „Das Lieben bringt Groß Freud, Locke und Preußens Gloria“. Dies hat auch sehr gut geklappt. Im Stand vor den Wertungsrichtern sollte der „Torgauer Marsch“ gespielt werden. Der Marsch sollte vom Tambourmajor „angerissen“ und auf ein Zeichen von einem der Wertungsrichter mit einer Lampe dann wieder „abgerissen“ werden. Unser damaliger Tambourmajor Erwin Fitschen riß den Marsch ordnungsgemäß an und wir gaben unser Bestes. Zum Ende des Marsches gab einer der Wertungsrichter mit der Lampe das Zeichen zum „Abreißen“ des Marsches. Alle außer Erwin sahen das Zeichen; er „riß“ also nicht ab oder wie wir sagten „he tokt am Knüppel“! Der Richter stand auf und winkte mit der Lampe wie ein Eisenbahner mit seiner Sturmlaterne hin und her, doch Erwin sah die Lampe immer noch nicht. Zu Guter Letzt sah er sie dann doch noch und „riß“ ab. Danach lagen wir uns dann sehr in Haaren und haben heftig gestritten. Aber bekanntlich heilt die Zeit alle Wunden, so, daß wir Heute schon manchmal über die Geschichte gelacht haben, wenn wir uns nach den Übungsabenden in der Kneipe am Biertisch über die „Guten Alten Zeiten“ unterhalten haben. 

                                                                                  Moisburg, den 26.03.1980

                                                                                  Erich Tauber

  

1966

 

Alle Begebenheiten der zurückliegenden Jahre kann man  im Nachhinein nicht mehr aufschreiben, dies soll aber auch gar nicht versucht werden. Auf ein großes und gleichzeitig trauriges Ereignis muß dennoch hingewiesen werden; der Unfall des Spielmannszuges 1966! Bei diesem Unfall wurden einige Spielleute leicht und einige schwer verletzt, als ein Auto in den marschierenden Zug fuhr.

  

1967

 

Für den Spielmannszug stellte sich Anfang 1967 ein großes Problem. Wie sollten wir wieder einen spielfähigen Spielmannszug bekommen? Denn nach dem Unfall sind einige Mitglieder ausgetreten und die Verletzten noch nicht wieder einsatzfähig! So wurde beschlossen, Mädchen mit in den Spielmannszug aufzunehmen. 15 Mädchen wurden als Flötenspielerinnen ausgebildet, im Laufe der nächsten Jahre zeigte sich dann aber, daß das Gesamtbild bei öffentlichen Auftritten sehr zu wünschen übrig ließ. Bei Ausmärschen wurde innerhalb der Reihen sehr viel herumgealbert, woran nicht nur die Mädchen beteiligt waren, sondern die Jungen ebenso, die den Mädchen in keinster Weise nachstanden. Für spätere Zeiten wurde somit beschlossen, das keine weiteren Mädchen in den Spielmannszug aufgenommen werden sollten. An Spielmannszug-Wettbewerben nahmen in diesem Jahr 2 Schießmannschaften an den Pokal-Wettkämpfen in Heidenau und Trelde teil. Buxtehude veranstaltete in diesem Jahr sein 2. internationales Spielmannszug-Treffen, bei dem wir den 12. Platz von 13 Zügen in der Klasse: „Spielmannszüge ohne Wettkampferfahrung“ belegten. 

Als historisches Datum soll hier der Dienstag nach Schützenfest festgehalten werden! Denn in diesem Jahr bekam der Schützenkönig erstmals ein Ständchen, woran ausschließlich der Spielmannszug und der Schützenkönig beteiligt waren!

 

                                                                                  Moisburg, den14.05.1981

                                                                                  Erich Tauber